Wie wir leben werden: Unsere Zukunft beginnt jetzt - Matthias Horx (2009)

Buch

"Wie wir leben werden" von Matthias Horx ist ein sehr optimistischer Gegenentwurf zur aktuellen Zukunftsdepression. Ganz klar geht er davon aus, dass Zukunft generell gestaltungsoffen ist und wir heute die Weichen für morgen stellen können, müssen oder wollen sollten. Zielgruppe für das Buch sind dann auch besonders die Macher unserer Gesellschaft, Entscheidungsträger, Selbstständige und - wie er es oft nennt - die kreative Klasse.

Dass Horx als Zukunftsforscher nicht nur ein fleißiger Arbeiter, Datensammler und analytischer Denker ist, das merkt man diesem Buch an. Es fließt mindestens ebenso viel von Horx Leidenschaft für sein Sujet mit ein und seine beschwingte, klar verständliche Schreibe macht Laune. Gleichzeitig profitiert man als Leser davon, dass Horx enorm viele Ausblicke auf die Arbeiten verschiedenster Wissenschaftler und Autoren bietet. Er fasst deren Ergebnisse im Kern und spinnt daraus ein komplexes Netz. Sowohl Entwicklungen vergangener Zeiten werden deutlich, als auch gegenwärtige Perspektiven und Zukunftstrends werden offenbar, die in der steigenden Informationsflut sonst schwer auszumachen sind. Mit Horx lässt sich also wunderbar über einige Tellerränder blicken und der eigene Horizont erweitern.

Ansprechend ist seine Wahl der einzelnen Kapitel, denn die betrachten ...
* Geburt * Lernen * Liebe * Arbeit * Wohlstand * Krieg und Katastrophe * Politik * Glaube * Das ganze Leben * Tod *
... und decken somit ein breites Spektrum ab, was jeden Leser interessieren und selbst betreffen dürfte.

Allerdings etwas gewöhnungsbedürftig fand ich anfangs die futuristischen Geschichten rund um die Zukunftsfigur Ayla. Spotlightartig wird deren Lebensgeschichte gezeigt - ihre Lebensweise, Arbeit, Partnerschaften etc. - und mit allerlei unbekannten Begriffen garniert. Ich sehe ja ein, dass vor 100 Jahren wohl auch noch keiner von Internet, Email, blind date, sabbatical usw. gesprochen hat, dennoch hätten mich diese Geschichten beim ersten Querlesen beinahe vom Buch abgehalten. Also nicht davon irritieren lassen.

Selbst wenn man als Leser nicht allen - oder gar keiner - seiner Zukunftsprognosen zustimmen mag, es bleibt dennoch ein lesenswertes Buch, in dem Horx zeigt, dass er sich intensiv mit viel Literatur auseinandergesetzt hat und nicht nur ins Blaue hinein fantasiert. Seine Literaturliste ist beeindruckend lang und er verweist auch im Text immer auf seine Quellen. Positiv also dass er sich nicht mit fremden Federn schmückt und seinen Lesern die Kerngedanken anderer Autoren näher bringt. Gelegentlich bin ich mir nicht sicher, ob Horx mit manchem Szenario nicht lediglich provozieren und zum Nachdenken über aktuelle Entwicklungen anregen möchte - wer weiß? Auf jeden Fall ein schlaues Buch mit vielen neuen Ideen und lesenswerten Perspektiven.